Moderne Behindertenwerkstatt in Borna fertiggestellt
Artikel aus Fachzeitschrift Bauen Wohnen Freizeit, Ausgabe Juni/Juli/August 2011.
Nach einem Antragsverfahren, beginnend im Jahr 2001, erfolgte am 4. Mai 2009 im Beisein der Sächsischen Sozialministerin der 1. Spatenstich. Offizielle Inbetriebnahme des ca. 4 Millionen Euro umfassenden Projektes der KV Leipziger Land Lebenshilfe e. V. war am 29. April 2011. Mit diesem Neubau gelang es, für 90 Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Arbeitsleben – ein Rechtsanspruch in Deutschland – zu realisieren und zwölf schwerst- und mehrfach behinderten Menschen in einem Förder- und Betreuungsbereich optimale Bedingungen zu ermöglichen. Die Auftragsvielfalt der Werkstatt reicht von Wäscherei, Näherei, Landschaftspflege über Montage- und Verpackungsarbeiten bis hin zu einer Stanzerei.
Der Standort, ein ehemaliges Tagebaugebäude, welches im Ursprungszustand für derartige Bauten keinesfalls problemlos nutzbar war, erforderte die Abtragung umfangreicher Erdmengen und deren Ersatz durch neue Schichten (Schotter, Vlies u. a. Mehr). Der Verdichtung und ständigen Kontrolle der Tragfähigkeit galt hierbei ein besonderes Augenmerk.
Immerhin war es gestalterisch durch den Bauherrn gewollt, drei Industriehallen als Zeichen der Lohnarbeit für namhafte Unternehmen, einen bungalowähnlichen Förder- und Betreuungsbereich als Tagesangebot und mit dem Speisesaal ein pavillionartiges Gebäude mit „lebenshilfeblauer“ Ziegeldacheindeckung als Repräsentation des Bauherrn zu schaffen. Besonders in den farblichen Bauelementen der Türen, Fenster und des Sonnenschutzes erkennen wir ausgezeichnet den Bezug zum Verein Lebenshilfe. Der Bauherr legte großen Wert auf eine massive Bauweise und eine qualitätsgerechte Ausführung der Arbeiten. Erkennbar ist dies beispielsweise an den Beton- und Mauerwerksleistungen des mit dem Rohbau beauftragten regionalen Bauunternehmens, dem Einbau von Aluminiumfenstern und Stahltüren sowie an dem optisch sehr gut zur Geltung kommenden Dachtragwerk des Speisesaales. Zur Ausführung kam ein achteckiges Zeltdach. Zuunterst wurde ein Brettschichtholzbalkenkreuz angeordnet. Darauf ruhen sternförmig angeordnete Gratsparren, welche zur Dachmitte hin auskragen und am Kragarm eine Lichtkuppel tragen. Die verantwortlichen Holzkonstrukteure entwarfen übrigens auch die ideenreich gestalteten, hölzernen Dachtragwerke über der Gymnastikhalle der Bornaer Robinienhofschule sowie über einem Speisesaal der Therapeutisches Wohnen GmbH in Schkeuditz. Solide Qualitätsarbeit des regionalen Handwerks finden sich bei der Begehung der Zweigwerkstatt im gesamten Komplex, sei es bei der Deckengestaltung des langgezogenen Verbindungsganges, wo der Trockenbau präzise die Anbindungen zu den Einzelbereichen schaffen musste, bis hin zu den technischen Anlagen. Der Einbau der Heizungs-, Sanitär- und Druckluftanlagen war für den Fachplaner und das ausführende Heizungs- und Sanitärunternehmen eine besondere Herausforderung, da der Bauherr vorhandene, teilweise alte Maschinen des Arbeitsprozesses in möglichst kurzer Zeit in den Neubau umsetzen ließ und zugleich neue Maschinen, wie beispielsweise Nähmaschinen mit Druckluftbedarf und neue technische Anlagenkomponenten (z. B. Druckluftschraubenkompressor) integriert wurden. „Ein Spagat, der nur durch das Zusammenspiel von Fachplaner, Bauunternehmen und Bauherr zu meistern war und auch im Nachhinein geringfügigen Anpassungen unterliegt, denen sich alle Beteiligten stellen, denn eine Baumaßnahme ist nicht immer mit der offiziellen Inbetriebnahme abgeschlossen“, betont Uwe Drechsler. Diese Nachhaltigkeit und die Fortführung der aufgebauten Geschäftskontakte wünschten sich manche Bauherren und Bauunternehmen. Sicherlich von Vorteil, wenn Losgrößen möglichst klein und fachlich präzise an regionale Bauunternehmen vergeben werden können und selbige durch qualitativ hochwertige termingerechte Umsetzung deutsches Handwerk widerspiegeln.
Das Ambiente oder der Gesamteindruck eines Gebäudekomplexes kommt nur richtig zur Geltung, wenn die Außenanlagen den nötigen Rahmen dafür bilden. Bei vorstehendem Projekt gelang es, durch die geforderte Feuerwehrumfahrt (eine asphaltierte Straße) eine „Rahmung“ zu erreichen, die gerade bei Luftbildbetrachtungen besonders schön zur Geltung kommt. Ein anthrazitfarbener Doppelstabmattenzaun sichert zwar das Gelände des Bauherrn, fällt aber dem Betrachter durch das Grün großer Plätze/Freiflächen weniger auf. Umso mehr gelang es dem Bauherrn, durch die Pflanzung von 55 Obstbäumen, gespendet durch die beteiligten Bauunternehmen und die Kommunalpolitik, Aufmerksamkeit für diese Projekt zu bekommen, da im übertragenen Sinne gute Arbeit perspektivisch Früchte trägt und andererseits ein Beitrag für Umwelt und Natur geleistet wird.
Meldung vom 07.07.2011 | Newsübersicht
